Lysin-Bioverfügbarkeit: Warum Extrusion Protein entwertet

30 % Rohprotein auf dem Etikett. Klingt gut. Klingt nach Qualität. Aber Protein auf dem Etikett und Protein im Metabolismus des Hundes sind nicht dasselbe.

Das Zauberwort, das die meisten Futtermarken nicht erwähnen, heißt: Bioverfügbarkeit. Und Bioverfügbarkeit hängt entscheidend davon ab, was mit dem Protein während der Herstellung passiert.

Was ist Lysin – und warum ist es so wichtig?

Lysin ist eine essentielle Aminosäure – das bedeutet: Hunde können sie nicht selbst synthetisieren. Sie muss über die Nahrung aufgenommen werden. Lysin hat zahlreiche Funktionen:

  • Baustein für Muskelprotein und Kollagen
  • Kofaktor für Carnitin-Synthese (wichtig für Fettmetabolismus)
  • Beteiligt an Kalziumabsorption und Knochengesundheit
  • Vorstufe für Hormone und Enzymkofaktoren
  • Immunfunktion und Antikörpersynthese

Lysin ist außerdem die Aminosäure, die am leichtesten und häufigsten Glykierungsreaktionen eingeht – sie hat eine freie ε-Aminogruppe, die besonders reaktiv mit Reduktionszuckern ist.

Was passiert bei der Extrusion mit Lysin?

Bei Extrusionstemperaturen (150–200 °C) reagiert Lysin in der Maillard-Kaskade mit Reduktionszuckern (Glucose, Fruktose aus Getreidezusätzen). Das Ergebnis: blockiertes Lysin.

Blockiertes Lysin ist analytisch noch als Lysin messbar – Standardmethoden der Aminosäureanalyse können blockiertes und freies Lysin nicht unterscheiden.

Das hat eine direkte Konsequenz: Das Etikett zeigt den Gesamtlysingehalt, inklusive blockierter Anteile. Der Hund kann aber nur freies, nicht blockiertes Lysin metabolisch nutzen.

Studien zur Lysin-Bioverfügbarkeit in extrudierten Futtermitteln zeigen Verluste von 10–50 %, je nach Rezeptur, Temperatur und Verarbeitungszeit. Bei stärkebetonten Rezepturen (hoher Kohlenhydratanteil) sind die Verluste besonders hoch.

Wie misst man Lysin-Blockierung?

In der Futtermittelforschung wird Furosin als Marker für Lysin-Blockierung gemessen. Furosin entsteht spezifisch aus der Reaktion von Lysin mit Glucose in der frühen Maillard-Phase. Je mehr Furosin, desto mehr Lysin wurde durch Hitzebehandlung blockiert.

Furosin-Gehalte in Trockenfutter liegen typischerweise deutlich höher als in schonend verarbeiteten oder rohen Futtermitteln. Diese Messung wird jedoch nicht auf Futteretiketten angegeben und ist für Verbraucher nicht zugänglich.

Welche anderen Aminosäuren sind betroffen?

Lysin ist am stärksten betroffen, aber nicht allein:

  • Methionin: Oxidationsgefährdet durch Hochtemperatur, jedoch weniger durch Maillard als Lysin
  • Tryptophan: Hitzelabil, wird bei hohen Temperaturen abgebaut; wichtige Vorstufe für Serotonin und Melatonin
  • Threonin: Mäßig hitzelabil
  • Cystein: Empfindlich gegenüber Oxidation bei Hochtemperatur

Was bedeutet das für die Proteinqualität-Beurteilung?

Die klassische Rohprotein-Angabe (%) auf dem Etikett ist ein Maß für Stickstoffgehalt, nicht für biologische Wertigkeit. Präzisere Methoden:

  • PDCAAS (Protein Digestibility Corrected Amino Acid Score): Berücksichtigt Verdaulichkeit und Aminosäureprofil – aber nicht Blockierung durch Erhitzung.
  • DIAAS (Digestible Indispensable Amino Acid Score): Modernere Methode, die essenzielle Aminosäuren einzeln bewertet.
  • Furosin-Index: Spezifisch für Maillard-bedingte Lysin-Blockierung.

Für den Käufer ist die einfachste Heuristik: Verarbeitungstemperatur. Je niedriger, desto weniger Lysin-Blockierung, desto höhere biologische Proteinnützlichkeit.

Warum ist das für Welpen und Senioren besonders wichtig?

Welpen: Lysin ist essenziell für Wachstum, Muskelaufbau und Knochenentwicklung. Lysinmangel in der Wachstumsphase kann Entwicklungsstörungen begünstigen.

Senioren: Im Alter nimmt die Fähigkeit ab, Aminosäuren effizient aus der Nahrung zu extrahieren. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Protein für Muskelmasserhalt (Sarkopenie). Ein Futter mit hohem Proteingehalt aber niedriger Bioverfügbarkeit ist bei Senioren besonders problematisch.

Was macht FAiRFRESH anders?

Durch die schonende Dampfgarung unterhalb der relevanten Maillard-Schwelle bleibt die ε-Aminogruppe von Lysin unblockiert. Das Protein im Futter ist biologisch vollständig verfügbar – nicht nur analytisch vorhanden.

Das ist der Unterschied zwischen Protein auf dem Etikett und Protein im Körper des Hundes.

Hoher Proteingehalt auf dem Etikett ist notwendig, aber nicht hinreichend. Die Frage ist: Wie viel davon kommt tatsächlich beim Hund an? Verarbeitungstemperatur und Lysin-Bioverfügbarkeit sind die entscheidenden Parameter – und sie fehlen auf jedem Futteretikett.

Quellen: Moughan & Rutherfurd 2012 (Journal of Agricultural and Food Chemistry) · van Rooijen et al. 2013 (Animal Feed Science and Technology) · PMC12154226

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