Interzoo 2026 - Die 5 wichtigsten Trends bei Hundefutter — und was sie für Hundehalter wirklich bedeuten

Warum die Interzoo zählt — auch wenn du kein Branchen-Insider bist

Die Interzoo ist die weltweit größte Fachmesse für die Heimtierbranche. Was hier gezeigt wird, landet zwölf bis vierundzwanzig Monate später im Regal. Und das ist 2026 besonders relevant. Denn der deutsche Hundefutter-Markt steckt im Umbruch:

  • Klassisches Trockenfutter beim Hund: minus 2,7 % in 2025 (ZZF Marktdaten)

  • Klassisches Feuchtfutter beim Hund: minus 1,9 % in 2025 (ZZF)

  • 57 % der Halter sehen sich als „Tier-Eltern“ (Interzoo/ZZF)

Die Verbraucher wenden sich von der klassischen Industrienahrung ab — aber sie kaufen nicht weniger Liebe für ihren Hund. Sie kaufen anders.

Trend 1: „Pet-Parenting“ — der Hund wird zum Familienmitglied mit Speisekarte

Auf der Interzoo-Bühne bringt Norbert Holthenrich, Präsident des ZZF, es ungeschminkt auf den Punkt: „Wenn Heimtiere als ‘pelzige Kinder’ geliebt werden und Tierfreunde zu Gesundheitsmanagern ihrer Tiere werden, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Kunden ein intensives Interesse an einer optimalen Versorgung ihrer geliebten Tiere haben.“

Was das im Napf bedeutet:

  • Halter lesen Zutatenlisten wie ihre eigenen Lebensmitteletiketten.

  • erkennbare Zutaten„Hauptsache satt“ reicht nicht mehr — gefragt sind 

  • Hundefutter wird zur Gesundheitsentscheidung, nicht zur Logistikentscheidung.

Praxis-Check: Wenn du beim Lesen einer Zutatenliste nicht weißt, was drinsteckt, weiß es dein Hund auch nicht. Drei bis fünf erkennbare Zutaten sind heute realistisch — und das in vielen Premium-Produkten der Messe Standard.

Trend 2: Funktionale Ernährung — wenn Futter zur Apotheke wird

Die offizielle Trendliste der Interzoo nennt eine ganze Apotheke an Wirkstoffen (Interzoo Trends 2026):

  • Probiotika und Postbiotika für die Darmflora

  • Superfoods wie Cranberries, grüner Tee, Chia-Samen

  • Funktionale Snacks für Immunsystem, Gelenke, Mikrobiom und „mentale Gesundheit“

  • Toppings, Drops und Pulver zum Beimischen

Wichtige Einordnung: Funktionale Zutaten wirken nur, wenn sie in wirksamen Dosen und in bioverfügbarer Form vorhanden sind. „Mit Cranberries“ auf der Tüte sagt nichts über Menge und Qualität.

Ein Wirkstoff, der zu selten genannt wird: Lysin

Lysin ist die erste essentielle Aminosäure, die bei intensiver Hitze verloren geht — und der Verlust ist messbar hoch. Eine Forschungsgruppe der Wageningen University (van Rooijen et al., Nutrition Research Reviews, 2013) hat in einer umfassenden Analyse kommerzieller Heimtierfutter gezeigt: Die Differenz zwischen Gesamt-Lysin und biologisch verfügbarem reaktivem Lysin kann in Hundefutter bis zu 61,8 % betragen — und Futter für wachsende Hunde liefert möglicherweise weniger Lysin als die Tiere tatsächlich benötigen.

Quelle: van Rooijen C. et al., Nutrition Research Reviews (2013), Cambridge University Press

Das bedeutet im Klartext: Ein Futter kann auf dem Etikett einen hohen Proteinwert ausweisen und trotzdem biologisch erheblich defizitär sein.

Was ein anhaltender Lysinmangel im Körper auslöst, ist durch Forschung gut belegt:

1. Herz: Gefährdete Carnitinsynthese → Dilative Kardiomyopathie (DCM)

Lysin ist — gemeinsam mit Methionin — biochemischer Ausgangsstoff für die körpereigene Carnitinsynthese. Carnitin ist dafür zuständig, langkettige Fettsäuren in die Mitochondrien zu transportieren, wo sie als Energie verbrannt werden. Fehlt dieser Transport, leidet als erstes der Herzmuskel.

Quelle: Rebouche CJ, Biosynthesis of carnitine in mammals, PubMed; PMC3644392

L-Carnitin-Mangel gilt als einer der ernährungsbedingten Faktoren, die mit dilatativer Kardiomyopathie beim Hund in Verbindung gebracht werden. DCM ist die zweithäufigste erworbene Herzerkrankung beim Hund und betrifft etwa 0,5 % der Hundepopulation — überdurchschnittlich oft Großrassen wie Dobermann oder Cocker Spaniel.

Quellen: Scientific Reports / Nature (2021); PMC12656978 (2025), Role of Diet as a Predisposing Factor for DCM in Dogs

2. Bindegewebe: Kollagenstruktur und Gelenkintegrität

Lysin ist Vorläufer von Hydroxylysin — einem unverzichtbaren Baustein des Kollagens, der für die strukturelle Vernetzung und Stabilität des Bindegewebes verantwortlich ist (NRC, 2006; WikiVet). Ohne ausreichend verfügbares Lysin kann Kollagen nicht vollständig reifen. Die Folgen: schwächeres Bindegewebe, anfälligere Gelenke, verlangsamte Wundheilung — besonders relevant bei wachsenden Hunden und Senioren.

Quelle: National Research Council (NRC), Nutrient Requirements of Dogs and Cats, 2006; Van Slyke D., PNAS 1966

3. Wachstum und Immunfunktion

Das National Research Council (NRC, 2006) definiert Lysin als limitierende Aminosäure bei der Proteinsynthese — Wachstum, Muskelaufbau und Antikörperproduktion sind direkt abhängig von ausreichend verfügbarem Lysin.

Die entscheidende Verbindung zur Verarbeitung:

Die Maillard-Reaktion, die bei der Wärmebehandlung von Heimtierfutter auftritt, reduziert die Bioverfügbarkeit von Lysin nachweislich — weil die ε-Aminogruppe des Lysins mit reduzierenden Zuckern reagiert und damit für den Stoffwechsel blockiert wird. Schonende Verfahren unter 100 °C — wie Dampfgaren — setzen diese Reaktionskette deutlich seltener in Gang.

Quelle: van Rooijen C. et al., J Agric Food Chem (2014); Nutrition Research Reviews (2013), Wageningen University

Trend 3: Frisch, minimal verarbeitet — die Fresh-Food-Welle erreicht Europa

Was in den USA längst läuft, kommt 2026 mit Wucht nach Europa. Drei Beobachtungen direkt von der Messe:

Tribal (Symply Group, Halle 9) zeigt in Nürnberg ein Frischfutter im Wurstformat mit 80 % Frischfleisch und nur 3–5 Zutaten pro Rezept. Das Versprechen: „Fresh meals made easy“ — minimal verarbeitet, sieben Sorten für eine Wochenrotation.

Pets Deli (Berlin, Halle 7A) bespielt den DACH-Premiummarkt mit ähnlicher Logik. Schlemmermaul (Halle 7) setzt auf das stärkste Transparenz-Signal überhaupt: 100 % Lebensmittelqualität — „human grade“ in Glasverpackungen.

Und der globale Beweis: Blue Buffalo (General Mills) hat im Oktober 2025 seine Linie „Love Made Fresh“ landesweit in den USA gelauncht und positioniert sich damit im 3-Milliarden-USD-Markt für Frischfutter (Fortune Business Insights). Wer in zehn Jahren Hundefutter verkaufen will, braucht frisch im Sortiment.

Was an „Fresh“ wirklich frisch ist — Vorsicht vor Marketing-Sprache

Begriff

Was er oft bedeutet

Worauf du achten solltest

„Fresh meat“ / „Frischfleisch“

Häufig nur eine Zutat im Trockenfutter

Anteil in % checken

„Minimal verarbeitet“

Kein Extrudieren, schonende Garung

Verfahren und Temperatur konkret benennen lassen

„Human grade“

In Deutschland nicht rechtlich geschützt — oft nur Claim

Suche nach nachweisbarer Lebensmittelzertifizierung oder Verarbeitungstemperatur unter 100 °C

„Fresh meals“

Kann auch gekochtes Nassfutter sein

Lagerung, Haltbarkeit und Prozesstemperatur prüfen


Was Hundehalter wirklich davon haben — und wo Fairfresh ansetzt

Frisch zubereitete, schonend gegarte Mahlzeiten enthalten in der Regel deutlich weniger sogenannte Advanced Glycation End Products (AGEs) — Verbindungen, die bei sehr hoher Hitze entstehen und mit Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht werden. Klassisches Trockenfutter wird bei 160–220 °C extrudiert. Das Resultat: eine hohe AGE-Last im Napf, Mahlzeit für Mahlzeit.

Die Gegenbewegung auf der Interzoo ist keine vage Marketingformel, sondern ein konkretes Verfahren: Dampfgaren bei 80–95 °C. Auf diesem Temperaturprinzip basiert Fairfresh — ein deutsches Konzept, das Lebensmittelqualität nicht nur kommuniziert, sondern prozesstechnisch absichert. Das schonende Verfahren hält AGEs niedrig und — entscheidend — bewahrt die Lysin-Bioverfügbarkeit, die bei Extrusionstemperaturen als erste verloren geht.

Das ist der Unterschied zwischen einem Etikett, das „frisch“ verspricht, und einer Rezeptur, die es tatsächlich einhält.

Was genau AGEs sind und warum sie für deinen Hund langfristig relevant sind → AGEs im Hundefutter — was die Forschung wirklich sagt

Trend 4: Alternative Proteine — von Sashimi bis Seidenraupe

Die Interzoo zeigt 2026 die ganze Spannweite, wie Eiweiß künftig auf den Hundeteller kommt:

  • Premium tierisch: Fisch in Sashimi-Qualität, Hummer, „human-grade“-Fleisch

  • Insekten: Heuschrecken, Mehlwürmer, Black Soldier Fly, Seidenraupen (Start-up Prombyx)

  • Kultivierte Proteine und vegane Optionen

  • Monoprotein-Rezepturen für Hunde mit Allergien und Unverträglichkeiten

Marktrealität: Insektenproteine machen aktuell unter 1 % aller globalen Pet-Food-Launches aus, aber die Akzeptanz steigt deutlich: In Großbritannien stieg sie binnen drei Jahren von 21 % auf 36 % (Petfood Industry).

Der unterschätzte Trend in dieser Liste: Monoprotein. Eine einzige Eiweißquelle pro Rezeptur — das ist die wirksamste Antwort auf die wachsende Zahl von Allergien und Futterunverträglichkeiten und gleichzeitig der einfachste Weg zu mehr Transparenz.

Wichtiger Hinweis: Die Forschung zur Bioverfügbarkeit von Insektenprotein beim Hund ist im Vergleich zu klassischen tierischen Proteinen noch dünn. Wer aus ökologischen Gründen umstellen will, sollte das schrittweise und nach Verträglichkeitsprüfung tun.

Trend 5: Nachhaltigkeit ist kein Marketing-Etikett mehr — sie wird zur Pflicht

Die Interzoo widmet dem Thema 2026 eine eigene ganztägige Sustainability Conference vor Messebeginn. Das ist neu — und es ist ein Signal.

Der Treiber dahinter heißt EU-Lieferkettengesetz. Hersteller müssen künftig nachweisen können, wo ihre Rohstoffe herkommen und unter welchen Bedingungen sie entstehen. Nachhaltigkeit ist damit kein Etikett mehr, sondern eine gesetzliche Anforderung an die Wertschöpfungskette.

Wie weit das geht, zeigt der Interzoo Sustainability Award 2026, der an dsm-firmenich ging — für ein algenbasiertes Omega-3-Öl, das Fischöl ersetzen kann und Meeresressourcen schont. Erstmals vergeben wurde der Pioneer Award an Sonac für ein neuartiges Verfahren zur Aufbereitung tierischer Nebenerzeugnisse zu hochwertigem, funktionalem Protein — ein Zeichen, dass Nachhaltigkeit und Proteinqualität in der Branche endlich zusammengedacht werden.

Was bleibt — ein Fazit für deinen Hundenapf

Die Interzoo 2026 ist kein Branchenevent mehr, das Hundehalter nichts angeht. Sie ist der Seismograph für das, was in zwei Jahren im Napf landet — und die Richtung ist klar:

Weniger Industrie. Mehr Lebensmittel. Mehr Verantwortung.

Das bedeutet für dich konkret:

  • Zutatenlisten lesen wie beim eigenen Essen — erkennbare Rohstoffe, nicht Chiffren.

  • Verarbeitungsverfahren hinterfragen — nicht nur „frisch“, sondern wie und bei welcher Temperatur.

  • Funktionale Zutaten einordnen — Dosis und Bioverfügbarkeit zählen mehr als Claim-Dichte.

  • Nachhaltigkeit verlangen — das EU-Lieferkettengesetz macht Transparenz zur Pflicht, nicht zur Kür.

Die gute Nachricht: Es gibt Hersteller, die diesen Anspruch bereits heute einlösen — mit niedrigen Verarbeitungstemperaturen, nachvollziehbaren Rezepturen und echter Lebensmittelqualität. FAiRFRESH gehört dazu.

Lerne Fairfresh kennen → fairfresh.pet

Quellennachweis

Marktdaten & Messe:

  • Interzoo Pressemitteilungen 2026: interzoo.com/en/press/press-releases/2026

  • ZZF Marktdaten 2025: zzf.de/pressemeldung/der-deutsche-heimtiermarkt-2025

  • Petfood Industry: petfoodindustry.com/pet-food-market/blog/15468889

  • Fortune Business Insights, Hundefuttermarkt 2024

Wissenschaft:

  • van Rooijen C. et al. (2013): The Maillard reaction and pet food processing. Nutrition Research Reviews, Cambridge. DOI: 10.1017/S0954422413000103

  • van Rooijen C. et al. (2014): Maillard reaction products in commercially available pet foods. J Agric Food Chem. PMID: 25088431

  • NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press.

  • PMC6813603: Immune-inflammatory concept of DCM in dogs.

  • PMC12656978 (2025): Role of Diet as Predisposing Factor for DCM in Dogs.

  • Scientific Reports / Nature (2021): Investigation of diets associated with DCM. DOI: 10.1038/s41598-021-94464-2

  • Rebouche CJ (1989): Carnitine biosynthesis in mammals. PubMed PMID: 6219439

  • PMC3644392: Enzymes involved in L-carnitine biosynthesis expressed by small intestinal enterocytes.

  • Van Slyke D. (1966): Hydroxylysine formation from lysine during collagen biosynthesis. PNAS 55(2):393–397

 

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