Acrylamid im Hundefutter: Was du wissen solltest

Was ist Acrylamid – und warum solltest du es kennen?

Du hast Acrylamid vielleicht schon in Zusammenhang mit Pommes, Chips oder Kaffee gehört. Es ist ein Stoff, der entsteht, wenn bestimmte Lebensmittel bei hohen Temperaturen stark erhitzt werden. Die Weltgesundheitsorganisation und die EU-Lebensmittelbehörde stufen Acrylamid als wahrscheinlich krebserregend ein.

Beim Menschen ist die Belastung durch Acrylamid ein wichtiges Thema – aber Menschen essen abwechslungsreich. Dein Hund frisst jeden Tag dasselbe Futter, oft jahrelang. Das macht den Unterschied: Was für Menschen eine gelegentliche Belastung ist, kann sich beim Hund über Jahre systematisch summieren.

Forscher haben berechnet, dass Hunde pro Kilogramm Körpergewicht bis zu viermal höheren Acrylamidmengen ausgesetzt sein können als Menschen – wenn sie dauerhaft Trockenfutter fressen, das diesen Stoff enthält.

Wo kommt Acrylamid her – und wo nicht?

Acrylamid entsteht auf eine sehr spezifische Weise: Es braucht hohe Temperaturen ab etwa 120 Grad, und es braucht bestimmte Ausgangsstoffe – vor allem freies Asparagin (eine Aminosäure, die in Getreide und Wurzelgemüse vorkommt) und Zucker. Dieses Profil trifft auf Trockenfutter-Extrusion zu, nicht aber auf schonend gegartes Frischfutter oder Nassfutter.

Was beim Garen passiert

Frischfutter

Trockenfutter

Nassfutter

Wird Acrylamid gebildet?

nein

möglich

nein

Verarbeitungstemperatur

80–95 °C

120–180 °C

hoch, feucht

Enthält Getreide/Stärke?

kaum

oft viel

wenig

Trocken-Prozess (Acrylamid-Risiko)

nein

ja

nein

Bewertung basiert auf 41 Hundefuttern (Kocadağlı et al., 2026). Exakte Werte in der Tiefe-Sektion.

Was die Studie konkret gefunden hat

In einer 2026 erschienenen Laborstudie wurden 41 handelsübliche Hundefutter auf Acrylamid untersucht. Das Ergebnis:

  • In 15 untersuchten Frischfuttern: kein Acrylamid nachweisbar.

  • In 10 untersuchten Nassfuttern: kein Acrylamid nachweisbar.

  • In 13 untersuchten Trockenfuttern: 2 Proben enthielten Acrylamid (40 und 76 µg/kg).

Zum Vergleich: Die EU hat für Getreide-Babynahrung einen Richtwert von 40 µg/kg festgelegt. Für Heimtierfutter gibt es bisher keinen gesetzlichen Grenzwert.

Was das bedeutet

Nicht jedes Trockenfutter enthält Acrylamid – aber nur Trockenfutter kann es überhaupt enthalten. Das Risiko hängt von den Zutaten (Getreide, Stärke) und der Herstellungstemperatur ab. Hersteller, die ihre Temperaturen offenlegen, sind vertrauenswürdiger.

Wie hoch ist das Risiko für deinen Hund wirklich?

Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht genau. Es gibt beim Hund noch keine Langzeitstudie, die zeigt, welche Acrylamidmenge über welchen Zeitraum welche konkreten Schäden verursacht. Das ist auch deshalb schwierig, weil das Risiko von vielen Faktoren abhängt: Wie viel Acrylamid ist im Futter? Wie viel frisst der Hund täglich? Wie metabolisiert sein Körper den Stoff?

Was wir wissen: Die Aufnahme und Verteilung von Acrylamid im Hund verläuft ähnlich wie beim Menschen. Die hohe Exposition durch einseitige Fütterung ist das eigentliche Problem – nicht die einzelne Mahlzeit, sondern die Summe über Jahre.

Was du als Hundehalter konkret tun kannst

  • Schonend gegartes Frischfutter hat kein Acrylamid-Problem. Unter 120 Grad entsteht der Stoff praktisch nicht.

  • Falls du Trockenfutter fütterst: Achte auf Hersteller, die Verarbeitungstemperaturen und Analysen offenlegen.

  • Getreidefreies oder stärkearmes Trockenfutter hat ein geringeres Risiko, weil die Ausgangsstoffe für Acrylamid fehlen.

  • Mischen hilft: Wer Trocken- und Frischfutter kombiniert, senkt die Gesamtbelastung durch Verdünnung.

  • Frag aktiv nach. Gute Hersteller können auf Anfrage Analyseergebnisse zeigen.

Was bedeutet das für FAiRFRESH?

FAiRFRESH garte bei 80 bis 95 Grad. In diesem Temperaturbereich entsteht Acrylamid nicht.

Unsere Rezepturen enthalten kaum freies Asparagin oder Stärkezucker – die Ausgangsstoffe fehlen schlicht.

Du kannst uns jederzeit nach unseren Analysewerten fragen – auf shop.fairfresh.pet.

Häufig gestellte Fragen

Ist Acrylamid im Hundefutter gefährlich?

Acrylamid gilt als wahrscheinlich krebserregend. Eine einzelne Mahlzeit ist nicht akut gefährlich. Das Problem ist die Lebenszeitexposition: Hunde fressen oft jahrelang dasselbe Trockenfutter. Forscher schätzen, dass Hunde pro Kilogramm Körpergewicht bis zu viermal mehr Acrylamid aufnehmen können als Menschen.

Enthält jedes Trockenfutter Acrylamid?

Nein. In der Studie enthielten 2 von 13 Trockenfuttern nachweisbares Acrylamid. Das Risiko hängt von den Zutaten (viel Getreide und Stärke erhöhen es) und der Verarbeitungstemperatur ab. Getreidefreies Trockenfutter mit niedrigerer Extrusionstemperatur hat ein geringeres Risiko.

Gibt es Grenzwerte für Acrylamid in Hundefutter?

Nein. Für Heimtierfutter gibt es in der EU bisher keine verbindlichen Grenzwerte für Acrylamid. Für Babynahrung gilt zum Vergleich ein Richtwert von 40 µg/kg – einer der Werte in der Studie lag genau daran.

Ich füttere schon lange Trockenfutter – soll ich wechseln?

Das ist deine Entscheidung. Kein akutes Risiko durch eine einzelne Mahlzeit. Wenn du umstellen möchtest, ist schonend gegartes Frischfutter die Lösung mit dem besten Gesamtprofil. Eine schrittweise Umstellung über zwei bis drei Wochen schont den Magen.

Ist Nassfutter acrylamidfrei?

Ja, laut der aktuellen Studie war in keinem Nassfutter Acrylamid nachweisbar. Nassfutter hat dafür andere Probleme: Es enthält durch die lange Hitzesterilisation die meisten Hitze-Schadstoffe (AGEs). Mehr dazu in Beitrag 2 unserer Reihe.


Für alle, die's genau wissen wollen

Ab hier: Fachbegriffe, Messmethodik und genaue Werte aus der Studie.

Wie Acrylamid entsteht – der chemische Hintergrund

Acrylamid (Summenformel C₃H₅NO) entsteht durch die sogenannte Maillard-Reaktion zwischen der Aminosäure Asparagin und reduzierenden Zuckern (Glucose, Fructose) bei Temperaturen oberhalb von 120 °C. Dieser Mechanismus ist für Lebensmittel mit niedrigem Wassergehalt typisch – also genau das Profil der Heißluft-Extrusion bei Trockenfutter. Bei hohem Wasseranteil (Nassfutter, Frischfutter) wird dieser Weg stark gehemmt, da das Wasser die Temperatur auf maximal 100 °C begrenzt.

Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) stuft Acrylamid als Gruppe 2A ein: wahrscheinlich krebserregend für Menschen. Im Körper wird Acrylamid zu Glycidamid umgewandelt – dem eigentlich DNA-reaktiven Metaboliten. Die Umwandlungsrate variiert zwischen Tierarten: Bei Ratten ist sie höher als beim Menschen; für den Hund liegen noch keine belastbaren Daten vor.

In Beagle-Hunden wurde nachgewiesen, dass Acrylamid schnell und weit ins Gewebe verteilt wird – ähnlich wie beim Menschen (Ikeda et al., 1987). Sugita et al. (2021) haben errechnet, dass Hunde durch ihre Körpergröße und monotone Fütterung pro kg Körpergewicht bis zu viermal mehr Acrylamid aufnehmen als Menschen.

Die Messwerte aus der Studie

Analysemethode: Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) – der Goldstandard. Bestimmungsgrenze (LOQ): 20 µg/kg. Nachweisgrenze (LOD): 6 µg/kg. Wiederfindungsrate: 93–101 %.

Futterart

Proben (n)

Acrylamid nachweisbar

Werte (µg/kg)

Frischfutter

15

0 von 15

nicht nachweisbar

Trockenfutter

13

2 von 13

40 µg/kg und 76 µg/kg

Nassfutter

10

0 von 10

nicht nachweisbar

Gefriergetrocknet

2

0 von 2

nicht nachweisbar

Quelle: Kocadağlı et al. (2026). EU-Richtwert für Getreide-Babynahrung: 40 µg/kg (Verordnung 2017/2158).

Warum HMF und Furfural nicht nachweisbar waren

Ältere Studien (van Rooijen et al., 2014) hatten teils sehr hohe 5-HMF-Werte in Heimtierfutter gemeldet. Die aktuelle Studie konnte das mit der präziseren LC-MS/MS-Methode nicht bestätigen: Weder 5-HMF noch 2-Furfural waren in einer der 41 Proben nachweisbar (LOD = 0,1 mg/kg). Hohe HMF-Konzentrationen finden sich typischerweise nur in sauren, zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Karamell, Honig oder Kaffee – kein Profil, das proteinreiches Hundefutter aufweist.

Wissenschaftliche Primärquellen

Kocadağlı, T., Clarke, C., & Gökmen, V. (2026). A Comparative Analysis of Maillard-Derived α-Dicarbonyl Compounds and Advanced Glycation End Products in Fresh, Wet, Kibble, and Freeze-Dried Dog Foods. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition. DOI: 10.1111/jpn.70053

Über den Autor

Joe Rahn ist Tierpsychologe, Diätetiker und investigativer Fachjournalist mit Spezialisierung auf Hunde- und Katzenernährung, Mikrobiomforschung und thermische Prozesskontaminanten in Heimtierfutter. Er moderiert mehrere Fachpodcasts.

 

Zurück zum Blog